FW-OE: Kinder im Stollen vermisst - Übung mit der Grubenwehr

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Lennestadt (ots) - Eine wohl ungewöhnliche Einsatzlage übte die Feuerwehr Lennestadt am vergangenen Samstag in Lennestadt Meggen zusammen mit den Kameraden der Grubenwehr des Bergbaukonzerns RAG. 5 Kinder hatten sich Zutritt zu dem 350 Meter langen stillgelegten "Erbstollen" des Bergwerkes Meggen verschafft und waren dort in eine missliche Situation geraten. Eine Petroleumlampe fiel um und die Reifen eines Radladers fingen Feuer. Bei Löschversuchen wurde ein Kind unter dem Radlader eingeklemmt. Die anderen Kinder gerieten in Panik, flüchteten aus dem Stollen, wobei sich zwei in den sogenannten "Butterstall" (Pausenraum der Bergleute) retten konnten. Die anderen zwei schafften es nach draußen, eines dieser Kinder stürzte bei Löschversuchen in ein Bassin.

Die Löschgruppen Meggen und Maumke, die als erstes an der Einsatzstelle eintrafen, stellten sehr schnell fest, dass auf Grund der Örtlichkeit die eigenen Einsatzmöglichkeiten begrenzt waren. Ein Einsatz unter Atemschutz in einem mit Brandgasen verqualmten Stollen erfordert spezielle Ausrüstung und ein anderes taktisches Vorgehen, so dass man sich zunächst nur im Rahmen der Möglichkeiten auf den Weg in den Stollen machte. Wichtig bei solchen Objekten ist eine gute Einsatzplanung, bevor man mit der Rettung der Personen beginnt. Bei den langen Wegstrecken unter Tage reicht die Einsatzzeit der Atemschutzgeräte nicht aus. Vergisst man wichtige Ausrüstung, kann man diese nicht "mal eben" von draußen rein holen. Wertvolle Zeit würde hier verloren gehen. Man entschied sich daher, die Grubenwehr zu alarmieren. Weiterhin wurden die Löschgruppen Halberbracht und Altenhundem nachalarmiert. Die Feuerwehr begann zunächst mit der Rettung der zwei verletzten Kinder aus dem Butterstall und verlegte zudem eine Schlauchleitung in den Stollen. Über die Drehleiter wurde parallel das Kind aus dem Bassin gerettet. Die Grubenwehr kommt in Bergwerken "unter Tage" zur Rettung und Bergung von Menschen und zur Erhaltung von Sachwerten nach Explosionen sowie bei Grubenbränden und anderen Ereignissen zum Einsatz, bei denen eine Gefährdung durch schädliche Gase, Sauerstoffmangel oder Grubenwasser eintreten kann. Herne ist einer von 4 Standorten in ganz Deutschland, die Alarmierung erfolgt über die Leitstelle der Feuerwehr Herne. Innerhalb von 20 Minuten ist ein Team einsatzbereit, bestehend aus 2 Trupp (je 2 Mann), einem Maschinist und einem Oberführer. Insgesamt stehen 625 Einsatzkräfte zur Verfügung, die alle bei der RAG beschäftigt sind und die den Job in der Grubenwehr ebenfalls ehrenamtlich leisten. Die Kameraden der Grubenwehr begannen nach Eintreffen und einer Einweisung in die Lage sofort damit, sich für ihren Einsatz vorzubereiten. Zur Spezialausrüstung gehören u.a. Langzeit-Atemschutzgeräte, die eine Einsatzzeit von bis zu 4 Stunden ermöglichen, besondere Flammschutzkleidung und verschiedene Gasmessgeräte. Die Ausstattung ist deutlich umfangreicher und spezieller gegenüber einer "normalen" Feuerwehr. Dies erfordert natürlich auch eine besondere Ausbildung. Die Kommunikation unter Tage setzt ebenfalls eine gute Planung voraus, mit normalem Einsatzstellenfunk kommt man hier nicht weit. Entsprechend ausgerüstet machte sich das Team der Grubenwehr auf in den Stollen zu dem Kind, welches unter dem Lader eingeklemmt war. Sowohl bei der Vorbereitung auf ihren Einsatz als auch das Vorgehen im Stollen selbst ließ erkennen, dass diese Kameraden den Job nicht zum ersten Mal machten, derart professionell und umsichtig wurde hier vorgegangen. Das Kind konnte schließlich gerettet werden und wurde mit einer speziellen Rolltrage nach draußen gebracht. Die Einsatzleitung unter Führung der Sachtleben Bergbau Verwaltungs-GmbH koordinierte den Einsatz von Feuerwehr und Grubenwehr.

Meggen war als alter Bergbauort somit eine ideale Kulisse für die Grubenwehr. Für die Feuerwehr Lennestadt ein kleiner Ausflug, sowohl in eine andere Feuerwehrwelt als auch in die Geschichte des Bergbaus. Dies erklärt auch die Tatsache, dass sich Kameraden der Ehrenabteilung die Übung anschauten. Da in diesem Stollen immer noch Arbeiten stattfinden, ist die Rettung einer Person ein durchaus denkbares Szenario. Somit konnten sowohl die Feuerwehr Lennestadt als auch die Grubenwehr wichtige Dinge üben, die im Ernstfall entscheidend sein können. Nach einem gemeinsamen Gruppenfoto tauschte man bei einer herzhaften Erbsensuppe sowohl Erkenntnisse der Übung als auch Erfahrungen aus.

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