23 November, 2017

Großübung "Zecke" am Krankenhaus Lennestadt

Unfällen mit biologischen oder ansteckungsgefährlichen Gefahrstoffen stellen Feuerwehren vor eine große Herausforderung, denn solche Einsätze sind nicht alltäglich. Um dennoch für ein solches Szenario gerüstet zu sein, fand am vergangenen Samstag eine Übung der Feuerwehren und Hilfsorganisationen des Kreises Olpe am St. Josefs-Krankenhaus in Lennestadt Altenhundem statt.

 

Ausgangslage dieser Übung war eine unbekannte Freisetzung von Staub aus Verunreinigungen in Form von abgestorbenen Kleinlebewesen durch die Lüftungsanalage des Krankenhauses. Nach etwa 10 Tagen kommt es bei 15  Patienten und 3 Mitarbeiterinnen des Krankenhauses zu grippeähnlichen Symptomen, die im weiteren Verlauf zu Muskel- und Kopfschmerzen, Husten, Schüttelfrost und hohem Fieber führen. In einem Untersuchungslabor werden später Coxiella-Bakterien nachgewiesen, die über Zecken in die Lüftungsanalage gelangt waren. Gott sei Dank nur eine Übung, denn niemand mag sich ein solches Szenario vorstellen.

Für solche und ähnliche Einsatzlagen im Bereich von atomaren, biologischen oder chemischen Gefahrstoffen existieren Notfallpläne und einheitliche Landeskonzepte. Ein solches Ereignis macht einen hohen Aufwand an Personal und Material erforderlich und ist durch eine Feuerwehr alleine nicht zu bewältigen. Daher waren an dieser Übung entsprechend dem Konzept des Kreises Olpe auch Einheiten aus dem gesamten Kreis in die Übung eingebunden. Ziel der Übung war es, eine entsprechende räumliche Struktur aufzubauen und die Zusammenarbeit verschiedener Einheiten aus dem gesamten Kreis zu üben.

Eine solche komplexe Lage erfordert eine entsprechende Einsatzstellenstruktur und ein stabmäßiges Führen von Einheiten, wobei die Kameraden der Feuerwehr Lennestadt als örtlich zuständige Feuerwehr die Einsatzleitung und damit die Organisation der Einsatzstelle übernahmen. Hierbei stand ihnen der Einsatzleitwagen (ELW 2) des Kreises Olpe als Führungsmittel zur Verfügung. Es wurden mehrere Einsatzabschnitte gebildet und die Einsatzstellenkommunikation aufgebaut.

Ein Einsatzabschnitt hatte die „Dekontamination“ der betroffenen Personen als Ziel, wobei diese zunächst gesichtet, erstversorgt und nach Schweregrad der Erkrankung eingestuft wurden. Wichtig und unerlässlich war hierbei auch der Eigenschutz der Einsatzkräfte, die ihre Arbeit nur mit spezieller Schutzausrüstung auf der Station des Krankenhauses durchführen konnten.  Anschließend wurden die erkrankten Personen über den Dekontaminationsplatz, der auf dem Hubschrauberlandeplatz aufgebaut wurde, aus der Einsatzstelle geführt. So soll sichergestellt werden, dass sich die im Übungsszenario als Zecken genannten Verursacher der Krankheiten nicht weiter ausbreiten.

Die Einheit „V-Dekon“ des Kreises Olpe ist in Attendorn - Ennest stationiert und verfügt über einen Abrollbehälter, der es ermöglicht, in einen Zeitraum von einer Stunde ca. 50 verletzte Menschen komplett zu dekontaminieren. Zur Beladung des Abrollbehälters zählt neben einer fest eingebauten Warmwasserheizung  auch eine Zumischeinrichtung für Waschmittel. Zudem sind in dem Abrollbehälter, der von einem Wechselladerfahrzeug transportiert wird und beim Dekontaminationsvorgang als Duschraum dient, auch Zelte, Heizungen, Bänken und Tische untergebracht.  Ein weiteres Tanklöschfahrzeug zur Wasserversorgung gehört ebenfalls zu dieser Einheit. Insgesamt sind für den Betrieb der „Infrastruktur“ rund 35 Feuerwehrleute nötig, die medizinische Versorgung übernehmen die Hilfsorganisationen, sowie der Rettungsdienst und die Feuerwehr.

Übung mit 150 Einsatzkräften aus verscheindenen Einheiten und Teilen des Kreises Olpe

Nach der Dekontamination wurden die Patienten dem Einsatzabschnitt „Behandlung" zugeführt. Diesen Einsatzabschnitt übernahm die Einsatzeinheit 3 des Kreises Olpe, die sich aus Einheiten des Malteser Hilfsdienstes zusammenstellt. Sie sind in der Lage, 25 Patienten medizinisch zu versorgen und zu betreuen. Unterstützt wurden das MHD durch die Unterstützungseinheit der Feuerwehr Lennestadt, die ebenfalls über 12 komplett ausgerüstete Notfallkoffer verfügt. In diesem Abschnitt wurden die Patienten weiter versorgt und für den Transport in ein geeignetes Krankenhaus vorbereitet.

Lennestadts Stellvertretender Leiter der Feuerwehr Markus Hamers, der Einsatzleiter der Übung war, zeigte sich zufrieden mit dem Ablauf der Übung, auch wenn es ein paar kleinere Probleme gab, die man aber im Nachgang noch analysieren wird. Aber dafür sind solche Übungen schließlich da.

An der Übung waren etwa 150 Kameradinnen und Kameraden beteiligt, neben den Führungskräften der Feuerwehr Lennestadt die IUK Einheit des Kreises Olpe mit dem ELW 2, der Leitende Notarzt (LNA), der organisatorische Leiter Rettungsdienst (ORGL), die Einheit „V-Dekon“ des Kreises Olpe, die SEG-Rettungsdienst, die Einsatzeinheit 03 Olpe, bestehend aus Einheiten des MHD´s und die Unterstützungseinheit der Feuerwehr Lennestadt.

Ebenfalls an der Übung beteiligt waren Mitglieder des Jugendrotkreuz des DRK Olpe und der DLRG Drolshagen. Sie „spielten“ mit ihrer Mimengruppe die „Verletzten und Erkranken“ Personen und sind bekannt für ihre absolut realitätsnahe Darstellung.

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